Mittwoch, 28. November 2012

Buenos Aires.

Welche Zeit ist jetzt? Welcher Tag ist heute? Welche Mahlzeit kommt als nächstes? Ja und wie ist das jetzt mit dem Zeitunterschied zur Schweiz und welche Zeit ist momentan in Neuseeland? Der Flug von Auckland über Santiago de Chile nach Buenos Aires mit der Überquerung der Datumsgrenze sorgte für ziemliche Verwirrung in unseren Köpfen. Und es brauchte einige Tage bis wir nach diesem Abendteuer wieder einen normalen Rhythmus hatten.

Einen Tag nach der Ankunft im Paris von Südamerika übernahmen wir die Wohnung. Wow, überrascht waren wir, wie gross und schön sie ist. Damit hatten wir nicht gerechnet, normalerweise sind die Bilder im Internet ja eigentlich schöner als die Realität. Die Lage ist ebenfalls perfekt, in einer verhältnismässig ruhigen Strasse, in einem Quartier mit vielen Läden, Cafés und Restaurants. Mit der „Subte“ ist man in einer Viertelstunde im Stadtzentrum. Perfecto!

Nach wenigen Tagen starteten wir den Spanisch Kurs mit der Lehrerin María. Wir trafen uns täglich für zwei Stunden in einem Cafe zum Spanisch büffeln. Kurz darauf stellte sich leider heraus, dass sie Schweizer nicht besonders mag. Da wir ihr blauäugig schon den ganzen Betrag für die vier Wochen Unterricht bezahlt hatten, gab es für uns kein Zurück mehr. So zogen wir die Stunden mit María durch. Abgesehen von den zwischenzeitlichen Antipathien, war der Unterricht gut und wir sind nun im Stande uns auf Spanisch durchzuschlagen.

Daneben blieb uns viel Zeit die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der riesigen Stadt zu erkunden. Neben den bekannten „Must-do’s“, gibt’s eine Unmenge an weniger touristischem zu entdecken. Eine kleine Auswahl…
Der Friedhof im edlen Stadtteil Recoleta, wo die Gräber kleine Häuser sind und sich Evitas Grab befindet. Wir schlenderten durch Strassenmärkte und klapperten so viele Strassen wie nur möglich in den verschiedensten Quartieren ab. Wir besuchten eine Tangoshow in einem der vielen Theater an der 20 spurigen Avenida 9 Julio. Nahmen an einer Führung durch das Casa Rosada (Präsidentenpalast) teil. Da darf man sogar in einer Einerkolonne durch das Büro von „La Presidenta“ gehen. Der Besuch des Teatro Colón war faszinierend. Ein prunkvoller Bau im Versailles Stil. So edel, dass man den Marmor nicht berühren darf, wie wir erfuhren als Marius die Kamera auf einer Säule platzierte. Von den farbigen Häusern in La Boca waren wir eher enttäuscht. Dafür war die Fussballpartie Argentinien gegen Brasilien in La Bombonera, im Fussballtempel der Boca Juniors der Hit! Ein Geheimtipp ist das El Zajón in San Telmo, ein aufwendig restauriertes Haus aus dem Jahre 1830.

Auch ausserhalb der Stadt gibt’s einiges zu tun: Einen Tag verbrachten wir auf einer Estancia, einem argentinischen Bauernhof. Dort war unter anderem Reiten und ein typisch argentinisches Asado (Barbecue) mit Gesang und Tanz angesagt. Zu touristisch, aber man muss es einfach gesehen haben. Bei einem zweiten Ausflug war das historische Städtchen Colonia in Uruguay das Ziel. Nach nur einer Stunde Bootsfahrt ist der Rio del Plata überquert, Buenos Aires hinter einem und in der ältesten Stadt Uruguays herrschen Ruhe und Gelassenheit. Ausserdem war Tigre am Delta des Rios ein schöner Wochenendausflug. (Oder war es unter der Woche, mh, eigentlich egal...) An der braunschlammigen Farbe des Silberflusses (Rio de Plata) erkennt man gut, dass die Namensgebung sicher nichts mit der Farbe des Wassers zu tun hat…

Unsere Erlebnisse durften wir wiedermal mit paar wenigen bekannten Gesichtern teilen. Marius‘ Eltern statteten zur unserer grossen Freude spontan einen zweiten Besuch ab.
Mit Nina zogen wir noch länger um die Häuser und teilten zwischenzeitlich die Wohnung. Neben spannenden Geldwechsel-Abendteuer genossen wir die vielen gemeinsamen Abendessen, von Gerber Fondue bis Asado, und ganz wichtig: Mate trinken!

Der Alltag alleine war aber bereits ein Erlebnis. Das Chaos in der Stadt ist der Wahnsinn. Bienvenido en América del Sur! Während unseres Aufenthaltes gab es mehrere Streiks und Demonstrationen. Stieg das Thermometer über 30 Grad waren Stromausfälle an der Tagesordnung. Folgte auf die Hitze ein Gewitter, waren die Strassen sofort überflutet. Zwei Mal hatten wir knöcheltiefes Wasser in unserer Wohnung. Von Hundekacke an jeder Ecke über die vielen schönen Cafés zu den stolzen Porteños, einfach eine einmalige Stadt! Wir kommen gerne zurück!
Nun geht es mit Flugzeug nach Ushuaia. Von dort, ganz im Süden, machen wir uns auf, Südamerika zu bereisen.

Bilder: Buenos Aires.

Dienstag, 30. Oktober 2012

New Zealand – North Island.

Die Überfahrt auf die Nordinsel hatten wir wahrlich schlimm erwartet. Beängstigenden Geschichten und schlechten Wetterprognosen zum Trotz, genossen wir die 2-stündige, ruhige Fahrt mit der Fähre zur Nordinsel aber im Sonnenschein und guter Aussicht auf den herrlichen Marlborough-Sound. Die Hauptstadt Neuseelands, Wellington, mit dem super Museum Te Papa gefiel uns sehr gut. Die spezielle Architektur und das Stadtleben liessen uns volle drei Nächte verweilen.

Mit viel Regen und dem Camping-Koller begann die Zeit im Tongariro Nationalpark nicht besonders. Das Angebot war nach viel Schneefall eher auf die Ski- und Snowboardfahrer, als auf uns Sommertouristen ausgerichtet. Die „Tongariro Alpine Crossing“, die schönste Tageswanderung im Park, war wegen zu viel Schnee und Lawinengefahr nur mit einer geführten Tour, inkl. Steigeisen und Eispikel, zugänglich. Zu unserer Enttäuschung wurde auch die Tour trotz Sonnenschein früh morgens wegen hoher Lawinengefahr abgesagt.
Zum Glück gab es eine Alternative. Die Wanderung zu den Tama Lakes (Kraterseen) führte durch eine bezaubernde Vulkanlandschaft.

Und die nächste Camper-Panne liess nicht lange auf sich warten. Wir konnten im Fahrzeug keinen Strom mehr verwenden, was bei winterlichen Temperaturen vor allem betreffend Heizung ärgerlich war. Eine vom Vermieter gesponserte Nacht im Motel, dreihundert Kilometer Umweg und das Problem (lediglich ein defekter Stecker) war behoben und so heizten wir weiter…

…nach Rotorua. Bevor man etwas sieht, merkt man durch vom Geruch her, dass die Fahrt durch vulkanisch sehr aktives Gebiet führt. Der faule Eier Geschmack liegt immer in der Luft. Die schönen Seiten hingegen sind spektakuläre Geysire, brodelnde Schlammbecken und heisse Quellen wohin das Auge reicht.

Die wohl Speziellste dieser befindet sich am Hot Water Beach. Wie der Name sagt, Heisses Wasser direkt am Strand. Dies in Form einer heissen Quelle, welche unter dem Sand verläuft und vor und nach Ebbe mit einem Spaten ausgebuddelt werden kann. Jeder der die Quelle findet, kann sich seinen privaten Pool bauen. Wobei der richtige Standort mit der richtigen Wassermischung entscheidend ist, denn an einigen Orten kocht das Wasser!
Im strömenden Regen und beissenden Wind haben wir uns kurzerhand einigen Einheimischen angeschlossen und uns zu Ihnen in den Pool gelegt. Ein unvergessliches Erlebnis!

Beim Schiffsausflug auf die White Island stand ebenfalls ein Vulkan im Zentrum. Die Insel, 50 Kilometer vom Festland entfernt, besteht aus einem einzigen aktiven Vulkan. Zum Schutz vor Steinschlag und giftigen Dämpfen wurden wir mit Helm und Gasmaske ausgerüstet. Wir trafen eine völlig unbekannte, surreale Welt an. Ein Rundgang führte hin zum dampfenden Kratersee und über eine verlassene Sulfatfabrik zum Boot zurück.




Der letzte Stopp vor Auckland war im Ambury Regional Park. Ein riesiger Bauernhof als Freizeitpark, Campingplatz und Naturrefugium. Nachdem die Schafe die letzten 6 Wochen bei jeder Begegnung davon gerannt sind, konnten wir sie hier endlich mal von nahem betrachten. Und die herzigen Lämmer sogar mit dem Milchschoppen füttern.

Nach rund 4‘500km auf der Strasse und etwa 100km auf Wanderwegen gaben wir den Camper ab und verbrachten die letzten Tage in Auckland.
Die Wassersport begeisterte Stadt hat angeblich die meisten zugelassenen Boote pro Einwohner auf der Welt. (Wer auch immer das herausgefunden hat…) Wir verbrachten Zeit in gemütlichen Cafe’s, Museen oder auf Aussichtshügeln und haben uns der steigenden Vorfreude auf den nächsten Teil der Weltreise ergeben.

Vielleicht gerade weil wir von der Nordinsel im Gegensatz zur Südinsel weniger erwartet haben, hat uns die Vielfältigkeit der Nordinsel wirklich überzeugt. Mit den freundlichen Leuten und der wunderschönen Natur hat sich Neuseeland als perfektes Reiseland erwiesen. Gerne wieder! Nach fast 4 Monaten im Camper und viel Natur freuen wir uns unglaublich auf Buenos Aires und eine neue, spannende Kultur. Und ein bisschen weniger auf den langen Flug...

Hasta luego!

Bilder: New Zealand North Island.

Dienstag, 2. Oktober 2012

New Zealand – South Island.

So flogen wir am 8. September von Sydney nach Christchurch. Wie vorgewarnt, wurden bei der Einreise die Schuhe pingelig kontrolliert. Und siehe da: Tatsächlich wurde bei Nadja ein Samen und Marius ein Stückchen Erde gefunden. Gratulation! Nach spezieller Reinigung durch eine zuständige Beamtin im Hinterzimmer wurde uns die Einreise aber doch noch gewährt.

Nach einer kurzen Nacht im Hostel übernahmen wir den neuen Camper: Grösser, stärker, schneller, älter als Cheapi in Australien und vor allem mit Heizung für die kalten Nächte in den Bergen.

Christchurch wurde 2010 und 2011 von starken Erdbeben und bis heute von vielen Nachbeben erschüttert. Grosse Teile der Innenstadt sind zerstört, abgesperrt und durch das Militär bewacht. Die Erdbeben wurden eigentlich in jedem Gespräch mit Lokalen irgendwie erwähnt, die Leute scheinen verständlicherweise sehr geprägt von diesen gravierenden Ereignissen. Auch für uns war es kaum fassbar, dass in wenigen Sekunden so viel zerstört werden kann.

Mit dem Ausblick von Christchurch auf die verschneiten Bergspitzen in der Ferne, erhöhte sich die Vorfreude auf die neuseeländischen Berge von Tag zu Tag.
Das erste Ziel war der Ort Mount Cook, wo wir von Schnee und Nebel begrüsst wurden. Wir dachten unsere Wanderpläne seien gestorben, bis uns die Dame vom DOC (die super Infobüros der Nationalpärke) sagte die Routen seien auch bei Schnee begehbar. Da wir nicht die Top Schneeausrüstung dabei haben, blieben wir skeptisch und warteten gespannt den nächsten Tag ab.
Tatsächlich parkten wir am Folgetag bei strahlendem Sonnenschein auf dem schneebedeckten Parkplatz. Daneben war ein Japaner daran sein Auto beziehungsweise dessen Räder im Schnee „einzufräsen“. Er stünde wohl heute noch dort, hätte ihm Marius nicht beim Anschieben geholfen.
Der Weg Richtung Mount Cook war (auch mit Marius‘ Wanderhalbschuhen) gut begehbar, die Wanderung traumhaft und unsere Erwartungen tausendfach übertroffen!

Nach dem Ausflug in die Berge begaben wir uns zurück an die Ostküste ins schottisch geprägte Städtchen Dunedin. Der Besuch der Schokoladenfabrik von Cadbury (bei wem dies auf der Wunschliste stand, ist vermutlich klar) und die gemäss Guiness Buch der Rekorde steilste Strasse der Welt standen auf dem Reiseprogramm.

Das nächste Highlight war eine Schiffsfahrt im Milford Sound. Das abgelegene und nur durch eine, sogar für Schweizer Verhältnisse extreme Bergstrasse erreichbare Gebiet an der Westküste ist geprägt von einem langen Meeresarm mit steilen und hohen Felswänden. Während der Schiffsfahrt im Fjord führten die Wasserfälle dank der langen vorgängigen Regenperiode trotz Sonnenschein viel Wasser und machten die Szenerie eindrücklicher.

In den Outdoor- und Adventurezentren Queenstown und Wanaka haben wir uns (einmal mehr) auf schöne Wanderungen mit noch schöneren Aussichten konzentriert. Top war die Besteigung des Roy’s Peak.
Zum guten Glück machten wir diesen Stopp mit dem Auto in mitten des Stadtzentrum und nicht irgendwo während der am Vortag (eigentlich unerlaubterweise) befahrenen 30km abgelegenen Kiesstrasse ohne Händyempfang…
… denn der Motor war danach tot. Und unser Camper entweder am Abschleppseil oder aufgeladen auf einem Abschlepptruck unterwegs. Einen Tag später hiess es umräumen und die Reise ging mit einem baugleichen-Modell weiter.


Die Route führte über den Haast-Pass an die Westküste. Wie er den Namen „Pass“ verdient hat, ist uns ein Rätsel.
Die raue Gegend mit viel Regen und vielen, lästigen Sandflies ist bekannt für die beiden gut zugänglichen Gletscher Fox und Franz Josef. Beide hauten uns nicht aus den Socken. Abgesehen davon, dass das Eis nur wenige Kilometer vom Meer entfernt ist, sind die Gletscher wenig spektakulär.
Mit einem Helikopterflug wäre dieser Eindruck wahrscheinlich anders gewesen, fliegen diese auch Non-Stopp über den Köpfen hin und her und wieder hin und her und….

Mit der Fahrt in den Norden wurde das Wetter freundlicher. Die Gegend rund um den Abel Tasman Nationalpark ist mit Beachforest und weissen Sandstränden verziert. (Wassertemp. leider nur 13 Grad) Und Ihr ahnt es, weil nix mit baden, stand eine Wanderung auf dem Programm… 

Ein Wassertaxi brachte uns in den meistbesuchten Nationalpark Neuseelands. Zurück folgten wir dem Abel Tasman Coastal Trek zum Campingplatz. Von welchem wir zwei Nächte später erfuhren, dass es ein „Nude-Camping“ ist… Zum Glück war Off-Season und wir die einzigen Campers…



Marlborough Sound war die letzte Region der Südinsel und ist bekannt für die vielen Weingüter.
Den 30. Geburtstag von Nadja feierten wir gebührlich. Mit dem Bike wurde Weingut um Weingut abgeklappert. Als alle Weine gleich schmeckten, radelten wir zum Italiener Rocco’s und liessen dort den Tag ausklingen

Bilder: New Zealand South Island.

Samstag, 15. September 2012

New South Wales.

Von Brisbane aus ging es nach Surfer’s Paradise. An einem breiten, weissen Sandstrand an der Gold Coast liegt dieser legendäre Ort. Der Strand war ja ganz ok, aber mit den Hochhäusern konnten wir uns nicht direkt anfreunden. Es blieb bei einem Mittagsstopp und ging weiter zu einem nicht weniger legendären Ort: Byron Bay. Ein hübsches Plätzchen, Anziehungspunkt vieler Surfer und Backpacker, und bis zum heutigen Tag ein beliebter Hippie Treffpunkt Uns lockte vor allem der schöne Walk rund um den bekannten Leuchtturm.

Der nächste Küstenort war Port Macquarie mit dem langersehnten Koala Hospital. In freier Natur, hatten wir leider nie einen Koala angetroffen (uns krochen ja eher die Schlangen zu). Nach bald zwei Monaten in der Heimat dieser süssen Tierchen, war es höchste Zeit sie live zu sehen. Im Hospital nehmen sie verletzte und kranke Tiere aus der Region auf, pflegen sie und setzten sie wenn möglich danach wieder aus. Auf einer Tour stellte uns ein Pfleger die einzelnen Tiere vor. Ganz rührend war die Geschichte von „Westhaven Barry“. Von seiner Sippe wegen einer verkrümmten Wirbelsäule ausgestossen, fanden Sie ihn ganz alleine und abgemagert in einem Park. Da diese Verkrümmung immer stärker wird, kann er alleine nicht mehr genügend Nahrung finden und hat einen fixen Platz im Koala Hospital bekommen. Rührend… Hin und weg von Koalas ging es weiter ins Hunter Valley, die bekannteste Weinregion im Umkreis von Sydney. Wir entschieden uns für den Besuch einiger Weingüter mit einer geführten Tour. So konnten wir uns beide voll und ganz dem Degustieren widmen und mussten uns nicht ums Fahren kümmern. Der Tag im Hunter Valley verging im Rausche.


Die letzte Wanderung auf australischem Boden unternahmen wir in den Blue Mountains. Blue, weil der Dunst der Eukalyptusbäume wie ein blauer Schimmer in der Luft liegt.
Kurz vor Einbruch eines heftigen Wetterumschwungs, erreichten wir gerade noch das Ziel der Wanderung. Kurze Zeit später, sank die Temperatur gegen null Grad und aus dem einsetzenden Regen wurde Schneefall. Nun gut, wir stellten uns auf eine Eisnacht im Camper ein. Als es aber plötzlich aus der Lüftung im Dach auf das Bett tropfte und für die ganze Nacht Schneeregen angesagt war, entschieden wir uns kurzer Hand in ein (trockenes, geheiztes) Motel umzuziehen. (Danke an den Vermieter für die Rückerstattung ;-) Am Morgen danach war die Sonne zurück, der Himmel im tiefsten blau leuchtend und „Cheapi“ vollständig mit Eis beschlagen. Das Motel hat sich definitiv gelohnt!!

Ja, und unseren Cheapi gaben wir dann nach 11‘087 gefahrenen Kilometer und 1‘178 Liter verbrauchtem Benzin in Sydney zurück. Er war ein guter und treuer Begleiter. Nach über 2 Monaten darin wohnen, hat das Ausräumen doch ein wenig länger gedauert als geplant…

Das Grande Finale war Sydney. Und die Stadt bildete einen sensationellen Abschluss. Australien bietet also doch noch etwas städtische Kultur. Neben den klassischen Sights wie Opera-House, Harbour Bridge und The Rocks, gefielen uns vor allem die Leute, die Vielfalt an kleinen Läden, Cafés, Bars und Restaurants, alles was eine Stadt erst wirklich interessant macht. So fuhren wir fleissig Bus, U-Bahn und schipperten mit der Fähre umher. Eher zufällig führte uns eine der vielen Bootsfahrten in den Buchten der Stadt an die Biennale of Sydney. Die Ausstellungen auf einer Insel mit brachliegenden Industriehallen beeindruckten uns.



Nach 70 Tagen Australien wartet mit Neuseeland das nächste Land auf uns. Und es hat bereits fulminant gestartet! Mehr dazu in der nächsten Ausgaben von …

Bilder: New South Wales.

Freitag, 31. August 2012

Queensland.

Nach fast drei Wochen im Outback waren wir also an der Ostküste angekommen. Es brauchte ein, zwei Tage Umgewöhnung zurück in der Zivilisation. Da hatten wir den Highway plötzlich nicht mehr für uns alleine und auf das uns angewöhnte, kule „Händewink-Grüssen“ der entgegenkommenden Fahrzeuge reagierte nur noch selten jemand…

Die folgenden Tage waren von unterschiedlichsten Walks im Regenwald geprägt. In mehreren Nationalpärken führten uns diese durch üppige Vegetation zu Wasserfällen oder schönen Aussichtspunkten. Dabei trafen wir auf viele Tiere, darunter die gefürchteten Schlangen. Gleich die erste Begegnung hatte es in sich: Sie befand sich direkt neben dem Weg und wollte einfach nicht abhauen. Wir stampften auf den Boden aber sie rührte sich nicht. Wir warteten. Und nach dem ca. vierten Stein, den wir nach ihr warfen, bewegte sie sich endlich ein wenig ins Dickicht. Mit Ästen und weiteren Steinen bewaffnet, wagten wir uns schliesslich vorbei zu rennen… Ein paar Meter weiter trafen wir zwei Aussies. „Snake?“ fragten sie uns. Sie müssen es an unseren Gesichtern erkannt haben… Gemäss unserem Beschrieb, war es eine Red Belly Black Snake. Eine der giftigsten Schlange in Australien… Wir brachten die Wanderung mit einem mulmigen Gefühl zu Ende.

Über das Atherton Tableland mit ungewohnt saftigen Wiesen, viele Chüeli und hügeliger Landschaft ging’s weiter in den Daintree Nationalpark nördlich von Cairns. Das Motto da: „Rainforest meets Ocean“. Mit Spaziergängen an Stränden, Salzwasser-Krokodil-Fütterung, Känguru-Streicheln, (beinahe) Beach-Camping und dem Rainforest Discovery Centre waren die Tage prall gefüllt. Mit Audio-Guide und Booklet ausgestattet, ging es in diesem spannenden Centre per Boardwalk hinauf in den Dschungel. Stufe um Stufe klettert und informiert man sich einen Turm hoch, bis zu den Kronen der gigantischen Bäume. Nach den vielen Kilometern im Regenwald war es spannend detaillierte Informationen über die exotische Flora und Fauna zu erhalten.

Am Cape Tribulation war unser nördlichster Punkt der Ostküste erreicht. Der ungewollte Ausflug auf die „4-WD-only-Strasse“ weiter in den Norden zeigte uns, dass wir mit „Cheapi“ nicht in die Welt der Pick-up Trucks und SUVs vordringen sollten. Diese brausten kul an uns vorbei und staubten uns voll. Zum Glück hatten wir es unbeschadet wieder zurück geschafft…

In Cairns stiessen Marius‘ Eltern zu uns. Es war ein freudiges Wiedersehen am Flughafen! Sie übernahmen ihren Campervan (etwas komfortabler als unsrer) und los ging der Roadtrip Richtung Brisbane. Das erste Highlight war der zweitägige Segelturn mit der „Iceberg“ in den Whitsunday Islands. Am Hafen in Airlie Beach empfingen uns Captain Dave (Prototyp der Spezies „Beach Aussie“: braungebrannt mit wehendem, ausgeblichenem, blondem Haar) und die fleissige Matrosin Sally . Sie sorgten für das seglerische und leibliche Wohl der Gruppe an Board. Das erste Ziel war die berühmte Whitehaven Beach. Wow, wie auf den Bildern. Weisser, feinster Sand, türkises Wasser. Fantastisch. Verschiedene Schnorchel- und Beachstopps durften nicht fehlen, die Withsundays liegen schliesslich im Great Barrier Reef. Es brauchte zwar Überwindung mit dem Schnorchel ins kühle Nass zu hüpfen dafür wurden wir mit der farbenprächtigen Unterwasserwelt belohnt.. Die Übernachtung im schaukelnden Schiff überstanden wir gut. Bei einigen wäre es ohne Stugeron© vielleicht anders rausgekommen…

Das zweite Highlight erreichten wir nach zwei weiteren, langen Tagen hinter dem Steuer. Rainbow Beach, Ausgangspunkt zu Fraser Island. Hier verwirklichen australische Männer ihre Bubenträume: Mit viel Ausrüstung und grossen Pick-up-Trucks stundenlang im Sand herum cruisen.
Unsere Tour ging einen Tag mit dem 4-WD-Bus und dem pausenlosen Gequatsche des Tourguides zum riesigen Süsswasserssee Lake McKenzie in mitten der Sandinsel. Mehr Sand als die Sahara soll sie beinhalten. Erstaunlich wie dort viele Pflanzen, darunter Jahrhunderte alte Bäume, aus dem Sand wachsen.

Ein bisschen ausruhen, endlich mal zu viert einen Schieber chlöpfe, ein erfolgloser Shopping-Tag in Noosa und bereits waren wir in Brisbane angekommen. Und bereits hiess es wieder Abschied nehmen von Marius‘ Eltern. Ein kurzer, aber intensiver und schöner gemeinsamer Roadtrip.

Brisbane war endlich mal wieder eine Stadt, eigentlich die erste wirkliche in Australien. Dementsprechend genossen wir die Leute, Hochhäuser, Restaurants und das echte Shopping!
Einen tollen Abend verbrachten wir in einem ebenso tollen Steak Restaurant mit Matthias (ein ausgewanderter Aroser) und seiner Frau Laura.

Vor uns steht der letzte Teil Australiens: Brisbane bis Sydney.

Bilder: Queensland.

Samstag, 28. Juli 2012

Northern Territory.

Die vielen Kilometer haben sich gelohnt, die Nationalpärke des Red Centers haben es wirklich in sich!

Nach zwei Tagen auf der Strasse folgte ein „Ruhetag“ in Alice Springs. Unsere Ruhetage bestehen hauptsächlich aus einkaufen, alle elektronischen Geräte aufladen, waschen usw.
Gespannt auf den magischen Berg ging es mit einer zusätzlichen „Strassen-Übernachtung“ und weiteren 450km Richtung Süden in den Uluru-Katja Tjuta Nationalpark.
Und dann war er zu sehen. Ayers Rock. Gemäss Karte zwar viel zu früh, aber sehr eindrücklich. Der rote Berg, ganz alleine und riesig, mitten im Nichts. Wir hatten ihn von Bildern runder und roter in Erinnerung, aber trotzdem, sehr eindrücklich. Und plötzlich merkten wir, dass man vom Mt. Connor Outlook nicht Ayers Rock sondern den Mt. Connor sieht. Ok, zu unserer Verteidigung, wie wir später erfuhren, wiederfährt diese Verwechslung auch vielen anderen.

Mit einem Sonnenaufgang, einem Sonnenuntergang und zwei Wanderungen, haben wir während zwei Tagen das volle Programm des Ayers Rock und der nicht minder spektakulären Olgas erlebt. Sehr schön, was Mutter Natur da in der Wüste gezaubert hat. Ebenfalls unvergesslich machen die Tage die eher tiefen Temperaturen in der Nacht. Der kälteste Winter im Red Center seit 30 Jahren, heisst es. Bis zu minus 3 Grad im Camper ohne Heizung waren nach fast 3 Monaten in der Tropenhitze schwer auszuhalten! Oder nur mit den vielen mit heissem Wasser gefüllten Bettpetflaschen.

Nicht schlecht staunten wir, als neben dem Duschmittel auch die Wasserschläuche des Vans eingefroren waren…Morgens liessen wir uns, mit einer heissen Tasse Kaffee in den Händen, von den ersten Sonnenstrahlen aufwärmen oder fuhren direkt nach dem Aufstehen los und drehten die Heizung voll auf.

Ungewohnte und wunderschöne Felslandschaften waren danach im Kings Canyon zu bestaunen. Mit dem Garten Eden, einer eigentlichen grünen, tropischen Oase in mitten der steinigen Landschaft und vielen durch Luft und Wasser erodierten Felsen, unserer Meinung nach die spannendste Attraktion des Red Centers. Die Schuhe, “Cheapi“ und vieles mehr gepudert mit rotem Sand führte uns der Highway zurück nach Alice Springs. Von wo wir die nächste und letzte grosse Fahrt an die Ostküste in Angriff nahmen.

Dank vielen spannenden Input, Focus, Roger gegen Roger und anderen Podcast’s (Danke DRS3!) sowie den ersten spanisch Lektionen von Coffee Break Spanish vergingen die nächsten rund 1‘600 Kilometer „fast“ wie im Fluge.





Schlafsäcke, Mützen und Faserpelz tief unten verstaut, starten wir jetzt mit der Ostküste!

Bilder: Northern Territory. (Die letzten 15 im Ordner sind neu...)

Dienstag, 10. Juli 2012

Bali. Australien.

Der australische Preisschock sitzt tief in den Gliedern. Hotel, Essen, Sights, die Preise haben sich einfach mal kurz verzehnfacht… Aber der Reihe nach: Mit vollen Energietanks und Lust auf neue Aktivitäten hatten wir die Gilis nach einer Woche verlassen. Das Ziel der Speedboat- und Busreise war der Ort Ubud im Inselinnern von Bali.

Für eine Tempel-Sightseeing Tour haben wir uns einen Tag lang mit dem Privat-Chauffeur (wie so üblich auf der Weltreise) rund um Ubud fahren lassen. Der Besuch einer Kaffee-Plantage inklusive Degustation der verschiedensten Kaffees, die Aussicht auf den Vulkansee des Mount Batur, sowie mehrere Reisfelder und die Tempelanlage Besakih waren Teil unserer Ausfahrt.

Die restlichen Tage in Ubud war Roller fahren angesagt. Die für zwei Franken pro Tag gemietete Honda wurde zum (und vor allem Marius‘) stetigen Begleiter. Ob für weitere Tempelbesichtigungen oder das Abklappern aller Shoppingzentren und Supermärkten, der Roller war dabei. Super war die Schmuckmeile ausserhalb von Ubud, wo es Schmuck zum Einkaufspreis gibt. Ein Traum! Am Abend durfte der Besuch einer der berühmten Tanzshows nicht fehlen. Faszinierende Kostüme und zum Abschluss tanzte ein hypnotisierter Mann durch Feuer und Glut.

Mit dem Abschluss der drei Monate Asien ist bereits der erste Teil unserer Weltreise vorbei. Mit Wehmut aber grosser Vorfreude bestiegen wir den Jetstar-Flieger nach Darwin.

Und da sind wir jetzt am verdauen des Preis- und wahrhaftigen Kulturschocks. So viel „Westliches“ waren wir uns nicht mehr gewohnt (trotz etwas Akklimatisationszeit im Mallorca der Australier).

Nach dem EM-Final (von 04.15 bis 06.00 morgens Lokalzeit), einem riesigen Feuerwerk (zu unseren Ehren? Nein, Territory Day, was denn sonst…) und 2 Nächten im gefühlten teuersten Backpacker der Welt konnten wir ihn dann endlich entgegennehmen, unseren Cheapa Campa Hitop Campervan namens „Cheapi“. Our new friend. Nicht jeden Tag ein- und auspacken und für länger mit demselben Bett unterwegs, das ist jetzt genau das Richtige!
Es ist eine wahre Freude nach drei Monaten in Restaurants selber einkaufen und kochen. Endlich wiedermal Müesli am Morgen, einen gesunden, knackigen Salat oder ein gutes Stück Fleisch gegrillt am offenen Feuer neben dem Camper, hhhmmmmmm! Nach ein paar Tagen hat sich nun auch die Gebissmuskulatur von Reis und Nudeln an festes Brot umgewöhnt...

Die ersten Tage mit Cheapi verbrachten wir in den Nationalparks Litchfield und Kakadu. Schöne Wasserfälle, dicht bewachsenen Canyons mit Badepools, steile Sandsteincliffs und unendlich scheinendes Bush Gebiet dominieren die Landschaft hier. Die Parks sind gut erschlossen und mit einfachen Campingplätzen ausgestattet. Neben vielen gesichteten Tieren, durften wir durch die Ranger-Talks wertvolles über Kultur und Geschichte der Aborigines erfahren. Wir haben kurze Wanderungen unternommen und liessen uns von der Weitsicht über Arnhem Land verzaubern.

Am ersten Nachmittag staunten wir nicht schlecht, als sich ein riesiges Salzwasser Krokodil am Flussufer bei unserem Campingplatz sonnte. Die sind hier sehr gefürchtet und können auch schon Mal ein Pferd verschlingen.

Mit den vielen nützlichen Tipps der netten und offenen australischen Campingfreaks, werden wir Neulinge zu wahren Camping-Experten ausgebildet. Zugegeben, die meisten Tipps verstehen wir erst bei der dritten Wiederholung...der Aussie-Slang ist gewöhnungsbedürftig.



Morgen nehmen wir die 1‘500 Kilometer auf dem Stuart Highway nach Alice Springs unter die Räder.

Bilder: Gili Air, Bali, Northern Territory (Australien)